News

Kevin Schaffartzik im Interview: Ich fühle mich richtig wohl!
Kevin Schaffartzik im Interview: Ich fühle mich richtig wohl!
Informieren Sie sich hier über die aktuellen Ereignisse aus der Welt des Basketballs und der Lumani 10.7-Sportler.

x  schliessen
Kevin Schaffartzik im Interview: Ich fühle mich richtig wohl!

Kevin Schaffartzik im Interview: Ich fühle mich richtig wohl!

02.02.12
Gothas Neuzugang Kevin Schaffartzik spricht im Interview über die ersten Spiele mit den Oettinger Rockets, seine Zeit in den Vereinigten Staaten und die Jugendduelle gegen seinen Bruder.



Lumani 10.7: Vier Spiele hast du bislang für Gotha bestritten, wie lief es aus deiner Sicht?

Kevin Schaffartzik: Ich finde, es lief bis jetzt ziemlich gut, auch für mich persönlich. Beim ersten Spiel war ich erst seit einigen Tagen in Deutschland und habe noch nicht viel gespielt. Damals hatten wir nach Verlängerung gegen den Zweitplatzierten (80:75 gegen die BSW Sixers) gewonnen. Somit war es schon mal ein richtig guter Einstand. Außerdem kenne ich hier die meisten Jungs. Konsti (Klein) kenne ich aus Berlin, Albert (Kuppe) und David (Watson) kenne ich von der Jugendnationalmannschaft oder irgendwelchen Lehrgängen, genauso wie Leo Niebuhr. Gegen Leute wie Torvoris (Baker) habe ich auch schon gespielt. Ich fühle mich in dieser Mannschaft richtig wohl!

Wie wunderbar Gotha ist, sei aber mal dahingesagt (lacht). Sonst ist es aber sehr schön hier. Ich finde, wenn ich mich nach den Spielen im Video sehe, erkennt man auch, dass ich mir sehr wohl fühle.

Hast du dich denn schon in Gotha eingelebt? Ich habe gehört, da soll nicht so viel los sein.

Hier ist gar nichts los. Wenn man hier nach 18 Uhr rausgeht, dann es ist wie in einer Geisterstadt. Wir wollten uns das eine Mal vor dem Training noch einen Cappuccino gönnen und sind um 20 nach sechs zu einem kleinen Bäcker gegangen, der um halb sieben zumacht. Wir kommen rein, wollen zur Cappuccino-Maschine und die Verkäuferin sagt: „Ne, die ist schon aus.“ Dann haben wir gefragt: „Warum? Wir dachten, Sie machen erst um halb sieben zu.“ – „Ja, machen wir.“ Das heißt, dass sie wirklich um halb sieben zumachen und nicht erst um halb sieben anfangen zuzumachen.

Andererseits ist es aber auch so, dass die Einwohner hier sehr sportbegeistert sind.

Das erste Spiel war ein wenig Reinschnuppern, danach hast du dreimal zweistellig gepunktet. Kannst du deine bisherige Rolle im Team etwas beschreiben?

Derzeit ist es so, dass ich von der Bank komme. Ich bin derjenige, der aufs Feld kommt und Energie ins Spiel bringt und natürlich auch punktet. Dadurch dass ich relativ gut punkten kann, ziehe ich natürlich auch die Verteidigung auf mich. Das eröffnet auch für andere mehr Raum.

Hatte ich Dich richtig verstanden, dass du einige Teamkollegen schon von früher kennst? Wie sehr hilft dir das, dich im Team zurechtzufinden?

Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr das hilft. Das erste Hochschulsemester habe ich nicht gespielt, nur trainiert und auch im Training Fünf-gegen-Fünf gespielt. Aber da habe ich mich schon ein wenig wie ein Fremdkörper gefühlt, weil ich weiß – und alle anderen wussten es auch: ja, der darf sowieso nicht spielen (aufgrund der NCAA-Regularien, d. Red.). Dann kam der Wechsel nach Gotha und sofort haben sie mich hier aufgenommen, gerade weil sie mich kennen und wissen, was ich kann und nicht kann. Dadurch war es total leicht, mich hier zurechtzufinden. Sie machen es wirklich einfach für mich, mich hier mit den Jungs wohlzufühlen.

Welches sind aus deiner Sicht die großen Unterschiede zwischen College-Basketball und dem deutschen Basketball?

Ich habe die Spiele unseres College-Teams immer gesehen. Ich glaube, ein enormer Unterschied ist die Wurfuhr. Es sind zwar nur elf Sekunden – aber man sagt nicht ohne Grund: Im Basketball sind zehn Sekunden eine Ewigkeit! Die Wurfuhr dauert 35 Sekunden im College und sonst sind es 24 Sekunden, d.h. hier gibt es pro Spiel viel mehr Würfe, es fallen mehr Punkte, es ist ein schnelleres Spiel.

Beim College ist es vielmehr darauf ausgelegt, dass man die Spieler entwickelt, weil man im Normalfall jeden Spieler für vier Jahre hat. Wenn er ankommt, versucht man das gesamte Potential auszuschöpfen und wenn er in seinem dritten oder vierten Jahr ist, hat man hoffentlich einen sehr guten Basketballer. Den hat man dann als Trainer quasi mitproduziert, wenn man das so sagen kann. Wenn man nach Europa schaut, gibt es hier sozusagen die fertigen Produkte. Natürlich entwickeln wir uns alle hier auch noch weiter – keine Frage –, aber ich glaube, dafür gibt es am College diese Grundausbildung und hier wird es dann verfeinert.

Ist dieser Schritt denn empfehlenswert, aufs College zu gehen?

Auf jeden Fall. Wenn man nach 2010 als Basketballer in die Staaten geht, dann kann man spielen, solange man nicht vorher Geld als Profi verdient hat. Ich würde es auf jeden Fall weiter empfehlen. Bei mir war es halt unglücklich, weil ich 2009 ans Junior-College ging und damals galt das sogenannte Collegiate Institution bei der NCAA. Das heißt, ich war also vor 2010 an irgendeinem College und deswegen hätte ich dann 60 Spiele aussetzen müssen, weil ich in der ProB 30 Spiele mit „bezahlten Profis“ gespielt habe. Aber wenn ich jetzt nochmal die Möglichkeit hätte, dann würde ich das auf jeden Fall wieder machen und würde es auch jedem empfehlen. Nicht nur wegen des Basketballs, sondern auch wegen der Lebenserfahrung, die man dort kennenlernt – gerade für junge Menschen.

Warum hast du dich damals für den Schritt in die USA entschieden? Aus Perspektivmangel im deutschen Basketball?

Es gab nicht so viele Push-Faktoren, wenn man jetzt mal geographisch spricht, sondern es waren mehr diese Pull-Faktoren. Ich wollte sehr gerne in die Vereinigten Staaten gehen und nicht unbedingt aus Deutschland weg. Aber ich wollte sehr gern dort hin, es hat mich sehr gereizt, Schule und Sport zu verbinden. Ich wollte diese krasse Begeisterung erleben, wie sich Amis mit ihrem Sport an den Schulen identifizieren. Diese zwei Jahre in Odessa (ca. 500 km westlich von Dallas, Texas) haben mir auch sehr gut gefallen – und, tja … shit happens … die nächsten zwei Jahre wurden mir dann nicht gegönnt. Das habe ich jetzt aber auch schon hinter mir gelassen.

Gut, dann zurück nach Deutschland. Dein Bruder Heiko hat beim Allstar Day in Ludwigsburg gerockt. Wie hast du das mitbekommen? Ihr hattet ja zeitgleich ein Heimspiel gegen Langen.

Da könnte man die ProB natürlich auch mal fragen, warum sie genau während des Allstar Days die ganzen Spiele zur gleichen Zeit ansetzen müssen. Nun gut, nach unseren Heimspielen gehen wir als Mannschaft immer gemeinsam essen und ich habe dann nur per Handy und Live-Ticker verfolgt, wie es steht usw. Am nächsten Tag habe ich dann über YouTube die Videos angeschaut.

Hast du mit Heiko denn darüber gesprochen oder habt ihr euch darüber ausgetauscht?

Wir haben beide einen relativ vollen Wochenplan mit Training und Spielen. Über WhatsApp usw. bleiben wir aber auf jeden Fall immer in Kontakt.

Ich glaube, er hat es beim Allstar Day ein bisschen genossen. Mir wurde gesagt, dass er auch ein bisschen das Spiel kommentiert haben soll. Wir haben das früher immer gespielt. Wir haben immer Eins-gegen-Eins gespielt, aber es so ausgewählt, als wäre jeder eine gesamte Basketballmannschaft. Dann hat er das Spiel immer kommentiert, während wir gespielt haben. Er hat ein richtiges Talent dafür.

Wer hat damals beim Eins-gegen-Eins gewonnen?

Er hat mich immer rankommen lassen. Und wenn es dann darauf ankam, hat er einfach Schluss gemacht und das Spiel dann gewonnen (lacht).

Ihr seid beide ausgewiesene Scharfschützen. Wer würde aus deiner Sicht heute ein Privatduell beim Dreierwettbewerb gewinnen?

Wenn er auf den „Wetten, dass..?“-Korb wirft und ich auf einen normalen, dann hätte ich gute Chancen. (lacht). Das kommt natürlich immer auf die Tagesform an. Werfen ist eine Konzentrationssache. Und wenn man sich da keinen Lapsus erlaubt, dann könnte das ein richtig erbittertes Duell werden.

Welche Ziele hast du für die Rückrunde mit Gotha?

Ich weiß, dass das Team mit recht bescheidenen Zielen in die Saison gestartet ist. Sie wollten mitspielen und in der Liga bleiben. Aber ich sehe mir hier an, wie viel Talent hier zusammenspielt und wie ehrgeizig die Jungs, Trainer und die gesamte Organisation sind. Das reicht hoch bis zum Herrn Kollmar, dem Besitzer der Oettinger Brauerei (Hauptsponsor des Vereins). Sie sind alle sehr ehrgeizig und wollen alle gewinnen. Ich glaube, das ist eines der besten Rezepte für Erfolg, wenn man Talent und Ehrgeiz hat. Ich persönlich will auf jeden Fall aufsteigen. Da werden wir auch alles dran setzen, um das zu schaffen.

Das Interview führte Thomas Käckenmeister.

Diese Seite weiterempfehlen

Schliessen